Eigentlich rezensiere ich abgebrochene Bücher nur ungern, weil ich ja nur einen Teil der Geschichte kenne. Manchmal braucht ein Buch etwas Zeit, bevor es seine Stärken zeigt. Hier habe ich mich aber so über die irreführende Vermarktung geärgert, dass ich nun doch kurz etwas zum Buch schreiben möchte.
Die Story klingt nach einer unterhaltsamen Mischung aus Action, Humor und Familienchaos. Beworben wird das Buch als "Perfekte Cozy-Crime-Unterhaltung mit scharfen Dialogen, Situationskomik und filmisch-rasantem Stil!" Auch das Cover passt perfekt zu diesen Erwartungen.
Stattdessen ist das Buch ein brutaler Thriller, mit stelleweise vulgärer Sprache und mindestens einer Szene die ich richtig heftig fand und die in einem als Cozy Crime beworbenen Buch absolut nichts zu suchen hat! Ich will nicht spoilern, daher hierzu nur so viel: wer empfindlich auf Gewalt gegen Kinder reagiert, sollte das Buch meiden!
Genauso wenig passt die Grundstimmung des Buches zum beworbenen Genre. Gemütlich? Eher nicht. Die Geschichte ist bedrückend und zieht einen eher runter, als dass es für behagliche Unterhaltung sorgt. Zusätzlich empfand ich Protagonistin Olivia mit ihren ständigen inneren Monologen über Karma und Schuld als wahnsinnig anstrengend. Göttliche Rache, Schulden beim Universum das kaut sie wieder und wieder durch, ohne dass es wirklich an Tiefe gewinnt. Für mich war das eher ermüdendes Geschwafel als eine interessante Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit.
Fazit
Für mich liegt das Problem nicht in der Brutalität selbst, ich lese gerne harte Thriller. Problematisch finde ich vielmehr, dass es Leser gibt, die genau solche Bücher meiden und sich auf die Bezeichnung Cozy Crime verlassen. Wenn sie dann völlig unvorbereitet in einem brutalen Thriller landen, ist das für mich einfach eine ziemlich unfaire Vermarktung. Abgebrochen habe ich das Buch schließlich, weil mich weder Stil noch Protagonisten überzeugen konnten.