Wei ist ein armes Bauernmädchen. Ihr Dorf leidet unter einer jahrelangen Hungersnot. Als die Nachricht herumkommt, dass der zweite Prinz des Kaisers nach Konkubinen für seinen Palast sucht beschließt sie, sich anwerben zu lassen, damit sie ihr Dorf vor dem sicheren Hungertod retten kann.
Doch Prinz Terren ist ein Sadist, dem es Freude macht, Wei zu quälen und ihr Schmerzen zuzufügen. So beschließt sie, dass er sterben muss. Und der einzige Weg zu seinem Tod ist das Herzseelengedicht. Das Problem ist nur, Wei kann weder lesen noch schreiben, denn es ist Frauen untersagt, in diesen Künsten unterwiesen zu werden
Es geschieht selten, dass ein Buch mich sprachlos zurücklässt. The Poet Empress hat das geschafft. Ich saß nach Beendigung des Romans für eine Weile still und musste erst einmal sacken lassen, was ich das gerade gelesen hatte. Dass dieses Buch in Deutschland als Jugendbuch verlegt wurde, macht die Sache nicht einfacher.
Das ist der Punkt, der mich überhaupt auf diesen Roman aufmerksam gemacht hatte: Die Tatsache, dass Ullstein ihn komplett falsch vermarktet hat. Es ist mit Sicherheit kein Buch, was ich einem Jugendlichen in die Hand drücken würde. Der zweite Fehler des Verlages war es, es als Romantasy zu bewerben nichts könnte weiter von diesem Subgenre entfernt sein als dieser Roman!
Es gibt vieles, was ich in diesem Buch bewundere: Das Magiesystem, die Magie selbst, das Setting, die Schilderung selbst. Tao scheint wirklich lange an diesem Werk gearbeitet zu haben, was herausgekommen ist, ist ein Meisterstück.
Gesetzt in eine magische Welt die entfernt an das kaiserliche China erinnert, aber gebeutelt von einer jahrelangen Hungersnot wächst Wei in einem kleinen Dorf auf. Mehrere Geschwister von ihr sind bereits gestorben, an Hunger, an Krankheit. Der Roman beginnt mit Weis Erinnerung an ihre Schwester, die nur wenige Tage alt, gestorben ist und auf einem Hügel beigesetzt wird. Eine so herzzerreißende Szene, dass der Leser schon allein vor diesem Bild erschaudert. Ein wenige Tage alter Säugling, der nun in einer Holzkiste liegt. Was könnte schlimmer sein?
Doch die Welt im Dorf ist, trotz aller Armut und dem Hunger, eine Gemeinschaft, in der jeder für jeden einsteht. In der der Erfolg des einen der Erfolg aller ist. Das ist ein krasser Gegensatz zu der Welt, die Wei betritt, als sie als Konkubine ausgewählt wird. Im Palast denkt jeder nur an Macht, daran, wie er sich selbst einen Vorteil vor den anderen verschaffen kann. Wei hat viel zu lernen, um überhaupt zu überleben.
Terren kommt zu Beginn als ein rücksichtsloser Säufer herüber, als ein Sadist, dem es Freude bereitet, Wei Schmerzen zuzufügen mit seiner Magie. Wie jeder der Prinzen des Reiches und der Kaiser selbst verfügt Terren über ein Mahl auf seiner Wange, durch dass er Zugriff auf Magie hat. In seinem Fall ist es die Magie der Klingen. Also foltert er Wei jede Nacht damit, dass er sie mit Schwertern und Messern verwundet, nur um sie anschließend wieder zu heilen.
Doch Terren ist ein weit vielschichtigerer Charakter, als es den Anschein hat. Als Wei beschließt, das Herzseelengedicht zu schreiben, muss sie mehr über ihn herausfinden. So beginnt ihre Quest, indem sie Freundschaften schließt, um an Informationen zu gelangen. Und diese Informationen zeichnen ein so ganz anderes Bild von dem jungen Terren, als er sich jetzt zeigt. Wei gräbt weiter und immer tiefer und erfährt am Ende das Geheimnis, dass ihn zu dem Sadisten gemacht hat, der er heute ist.
Aber bei dieser Recherche kommen sich Wei und Terren auch näher. Mit jeder neuen Information, die sie erhält, kann sie ihn besser verstehen. Und nach und nach beginnt er ihr zu vertrauen, vielleicht sogar wirklich zu lieben. Er ahnt nicht, dass er eine Natter an seiner Brust nährt.
Ich muss gestehen, dass ich letztlich fassungslos war über das Geheimnis, das Wei ans Licht brachte. Ich hatte etwas in diese Richtung geahnt, ja. Aber als sich mein Verdacht bestätigte, war ich am Boden zerstört und brach in Tränen aus. Tao hat das ganze so hervorragend geschildert, dass einem wirklich zunächst einmal die Worte fehlen für das, was geschehen ist.
Die Magie dieser Welt hat mich tief beeindruckt. Blüten überall, Katzen, die aus Blättern bestehen, Menschen, die sich in Blüten kleiden. Parkanlagen, in denen selbst im Winter alles grün ist. Das war eine wundersame und wunderschöne Welt, die da vor meinen Augen entstand. Aber eine wunderschöne Welt mit tausend giftigen Stacheln.
Ich muss sagen, ich bin tief beeindruckt vor diesem Roman, der sicherlich noch in mir nachhallen wird für einige Zeit. Wer eine wunderschöne Welt voller Magie mag, der wird sich hier heimisch fühlen. Doch es sind wie immer die Menschen, die Zwietracht und Tod sähen und darauf sollte man vorbereitet sein.