Leider konnte ich mich diese Fortsetzung nicht so sehr begeistern wie ¿Emil und die Detektive¿.
Inhalt:Emil trifft endlich seine Freunde aus Berlin wieder! Sie verbringen ihre Sommerferien gemeinsam an der Ostsee und auch Emils Großmutter und seine Cousine Pony Hütchen sind mit von der Partie. Dort machen sie die Bekanntschaft des Artistentrios "The Three Byrons"...Ferien! Das klingt wie zwei Portionen gemischtes Eis mit Schlagsahne. Noch dazu Große Ferien! (S. 50)Meine Meinung:Ich war ziemlich überrascht zu erfahren, dass es eine Fortsetzung vonEmil und die Detektivegibt und es hat mich ziemlich gewundert, dass mir dieses Buch nicht schon vorher mal untergekommen ist. Da ichEmil und die Detektivemochte war ich neugierig und es stand fest, dass ich auch dieser Fortsetzung eine Chance geben wollte.Das Buch fängt vielversprechend an, denn es ist schön Emil und die übrigen liebgewonnenen Charaktere "wiederzutreffen". Es freut einem, dass Emil und die Jungen, die er damals in Berlin kennengelernt hat, in Kontakt geblieben sind und dass sie beschließen die Sommerferien gemeinsam an der Ostsee zu verbringen, die einen atmosphärischer Handlungsschauplatz abgibt.Es hat mir auch gefallen wie es an einigen Stellen Anspielungen auf Emil und die Detektivegibt. So erfährt man beispielsweise, dass die damaligen Geschehnisse inzwischen verfilmt worden sind und Emil und die anderen besuchen auch gemeinsam eine Kinovorstellung. Zudem ist es lustig, dass Emil erfährt, dass der Polizist Jeschke die ganze Zeit über gewusst hat, dass Emil einst hinter der "Verzierung" der Statue gesteckt hat und er ihm das gar nicht übelnimmt.Ich fand es ein bisschen traurig, dass sich Emils Cousine Pony Hütchen inzwischen die meiste Zeit über zu fein ist um sich mit Emil und den anderen Jungen abzugeben. Das abenteuerlustige und bodenständige Mädchen von einst ist stellenweise kaum wiederzuerkennen und wirkt in diesem Buch leider insgesamt recht oberflächlich und sogar etwas eingebildet. Klar, sie ist älter geworden und man verändert sich nun einmal, aber ich habe die Pony von einst vermisst. Die eigentliche Handlung ist aus meiner Sicht längst nicht so überzeugt wie es die Geschichte rund um den Diebstahl des Geldes inEmil und die Detektivewar und ich fand manches daran auch ein wenig merkwürdig und weithergeholt. Emil und die anderen Jungen versuchen zu verhindern, dass der Chef des Artistentrios einen der anderen beiden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zurücklässt. Den Grund dafür, dass der Chef diesen Artisten loswerden wollte fand ich sehr skurril: Der besagte minderjährige Artist ist gewachsen und dadurch schwerer geworden, weshalb mache der Akrobatiknummer nun nicht mehr ganz so einfach sind wie früher. Daher soll ein leichterer Ersatzmann her. Wie dieses Problem letztlich von Emil und seinen Freunden gelöst wird war mir dann auch zu einfach:Geld und die Drohung mit einer Anzeige bei der Polizei sind die Lösung.Ein weiteres Problem hatte ich mit der Beziehung zwischen Emils Mutter und dem Polizisten Herrn Jeschke. Da gab es vieles, was mir echt kein gutes Gefühl gegeben hat: Jeschke glaubt, dass ihn Emils Mutter aufrichtig liebt und ist überglücklich als diese seinen Heiratsantrag annimmt. Er ahnt nicht, dass Emils Mutter ihn zwar nett findet, aber zu gefühlt 90% nur deshalb heiraten will, weil sie und Emil dadurch finanziell abgesichert sind. Zudem denkt Jeschke, dass Emil die Ehe zu 100% befürwortet und ihn richtig gern mag. In Wirklichkeit widerstrebt Emil diese Ehe aber ziemlich und er hätte seine Mutter lieber weiterhin für sich allein. Emil tut nur so, als sei es für ihn in Ordnung um seine Mutter nicht traurig zu machen. Das alles hat mich etwas traurig gemacht und ich hatte Mitleid mit dem ahnungslosen Herrn Jeschke, denn dieser war mir sympathisch und er hat sich wirklich bemüht Emils Freundschaft zu gewinnen. Natürlich kommen solche Zweckehen vor, aber in einem Kinderbuch hätte ich nicht damit gerechnet eine Beziehung präsentiert zu bekommen in der so wenig Liebe und dafür umso mehr praktische Gründe und Berechnung im Spiel sind. Das war für mich ein weiterer Wehmutstropfen an dem Buch. Fazit:Das Buch lässt sich gut lesen und ist kurzweilig, aber ich war nicht so mit dem Herzen dabei. Ich fand, dass es sich zu sehr auf dem VorgängerbandEmil und die Detektive"ausruht" und zu sehr davon lebt, dass man sich freut liebgewonnene Charaktere wiederzutreffen. Die Handlung konnte mich nicht zu 100% überzeugen und mich haben ein paar Dinge gestört.Trotzdem habe ich es nicht bereut das Buch gelesen zu haben, aber ich würde es auch kein zweites Mal lesen. Da würde ich viel eher nochmalEmil und die Detektive, Das doppelte Lottchen, Das fliegende Klassenzimmer, Konferenz der TiereoderPünktchen und Antonlesen.Zum Schluss noch eine Lebensweisheit aus dem Buch, die leider nur zu wahr ist:Die schlimmen Tage und Stunden, auf die man warten muss, kommen mit Windeseile. Sie nahen wie schwarze regenschwere Wolken, die der Sturm am Himmel vor sich hertreibt. Die heiteren Tage jedoch, die lassen sich Zeit. Es ist, als sei das Jahr ein Labyrinth, und sie fänden den Weg nicht heraus und erst recht nicht zu uns. (S. 50)