Kennt ihr diese Phasen, in denen gefühlt eine Sache nach der anderen schiefläuft und man sich irgendwann fragt, warum es bei allen anderen so viel leichter aussieht? Genau dieses Gefühl hat mich Shûichi Okada ziemlich schnell verstehen lassen.Bei ihm scheint gerade wirklich alles zusammenzukommen. Beruflich verliert er auf einen Schlag zwanzig Kunden, seine Tochter möchte nicht mehr zur Schule gehen und gleichzeitig begleitet ihn das schlechte Gewissen, weil er sich eigentlich mehr um seine Mutter kümmern sollte. Er fühlt sich vom Leben im Stich gelassen und hält sich selbst für den unglücklichsten Mann Japans.Bis ihm eines Tages ein geheimnisvoller Taxifahrer begegnet und ihn auf eine ganz besondere Reise mitnimmt.Ich mochte die Grundidee des Buches sehr. Während der verschiedenen Taxifahrten wird Shûichi immer wieder mit seinem eigenen Leben, seinen Entscheidungen und seiner Sicht auf das Glück konfrontiert. Dabei gab es einige Gedanken, bei denen ich mich selbst ertappt gefühlt habe. Wie schnell schaut man auf das Leben anderer und denkt, dass dort alles einfacher oder besser läuft, ohne überhaupt zu wissen, was hinter der Fassade passiert?Auch der Gedanke, dass wir unser eigenes Glück vielleicht viel stärker beeinflussen können, als wir manchmal glauben, hat mir gefallen. Nicht durch riesige Veränderungen, sondern durch kleine Entscheidungen, Begegnungen und die Art, wie wir anderen Menschen gegenübertreten. Genau diese ruhigen Momente mochte ich an der Geschichte besonders.Ganz überzeugen konnte sie mich trotzdem nicht. Einige Botschaften wurden mir zu deutlich ausgesprochen und teilweise auch zu oft erklärt. Manchmal hätte ich lieber selbst darüber nachgedacht, was eine bestimmte Begegnung für mich bedeutet, anstatt die Antwort direkt mitgeliefert zu bekommen. Dadurch ging für mich ein wenig von der emotionalen Wirkung verloren.Trotzdem habe ich Shûichis Reise gerne begleitet. Das Buch hat mich nicht tief berührt oder vollkommen mitgerissen, aber es hat mich zwischendurch innehalten und über meine eigene Sicht auf Glück nachdenken lassen. Und manchmal ist genau das auch genug.Für mich eine schöne Geschichte für zwischendurch, aus der ich ein paar Gedanken für mich mitnehmen konnte.