Elisa wurde gekündigt und ahnt nicht, dass der neue Job ihr Leben verändern wird. Ihr Chef Cassian ist der Hüter der verborgenen Welt Consomnio, in der Träume töten können, und zwischen ihnen entsteht eine vorsichtige Verbindung, die zu mehr werden droht.
Wie viel ist dir deine Seele wert, Elisa? -Cassian
Wahrscheinlich nicht so viel wie dir. -Elisa
Als ich das Buch in die Hand nahm, dachte ich zuerst: Cool, wir haben mal ein schwarzes Buch, mit schwarzem Farbschnitt und teilweise schwarzen Seiten, und dann wurde es mit den Bildern auf den Innenklappen, dem Page-Overlay und den Charakterkarten noch besser. Dieser Auftakt einer Fantasy-Trilogie wird nun zu einem meiner schönsten Bücher im Regal und die Geschichte, die erzählt wird, ist beinahe noch besser. Es ist eine langsame Erzählung, in der viel Wert auf die Authentizität der Charaktere und das Worldbuilding gelegt wird und sich die Spannung eher nach und nach entfaltet, anstatt dass sie mit einem Mal explodiert. Aber auch solche Romane haben ihren Charme und man kann das Buch in wenigen Tagen durchlesen.
Die magische Welt Consomnio ist wunderschön geworden und man merkt, dass das ganze Herzblut der Autorin drin steckt. Sie existiert parallel zur Menschenwelt und dort existieren Wesen mit Licht- und Dunkelmagie, die in einem jahrhundertelangen Krieg feststecken. Gespeist wird Consomnio von den Träumen und der Kreativität der Menschen, während andersherum auch eine Abhängigkeit besteht. Zusammen mit einer Karte macht es unheimlich viel Spaß, diese Welt zu entdecken und gemeinsam mit Cassian und Elisa auf einen Ball zu gehen oder gar in die Konflikte dort hinein gerissen zu werden. Vergangenheitsszenen komplettieren das Ganze, auch wenn viele offene Fragen erst in den Folgebänden beantwortet werden, zumindest hoffe ich das. Intrigen werden und wurden gesponnen und eine unterschwellige Macht begehrt auf, sodass auch ein wenig Spannung zu Tage kommt und dazu führt, dass man das Buch, trotz langsam fortschreitender Plotentwicklung, zu Ende lesen möchte.
Das alles erleichtert der Schreibstil, der Gedankengänge und Gespräche perfekt auffängt und den verschiedenen Sichtweisen Charakter verleiht. Dann beginne ich mal mit den Hauptpersonen. Elisa ist die süße und mitfühlende Protagonistin, die eine innere versteckte Stärke besitzt. Nicht jeder Protagonist muss die stärkste Person der Welt sein, die ungeschlagen ist und immer alles haushoch gewinnt, und das ist das Gute an diesem Buch. Schließlich haben wir viel Potenzial zur Entwicklung und Elisa wäre jeder von uns in der selben Position, ohne unnatürlich zu wirken und ihre Menschlichkeit plötzlich zu verlieren. Sie hilft den Schwachen und gesteht sich nach einiger Zeit auch ihre Gefühle ein, sodass es einfach nur schön war, aus ihrer Perspektive zu lesen.
Außerdem befindet sie sich in einer toxischen Beziehung mit Ryan und auch das wurde realitätsnah dargestellt ohne etwas zu verschönern. Elisa kämpft sich durch und eventuell schafft sie es, sich durchzuschlagen. Interessant war, dass wir auch aus Ryans Sicht lesen konnten, weil er eine unberechenbare Rolle spielt, was die Spannung erhöht hat und Abwechslung bringt. Und dann haben wir den charismatischen und ehrlichen Cassian, der als Hüter viel Verantwortungsbewusstsein hat und eine tragische Vergangenheit versteckt. Auch aus seiner Perspektive habe ich es geliebt, die Geschichte zu lesen, da wir seinen inneren Kampf mitbekommen und seine Fähigkeiten sowie Taten aus erster Hand verfolgen können. Er spielt eine zentrale Rolle und ich bin schon sehr gespannt auf das zweite Buch der Reihe.
Die Beziehung zwischen ihm und Elisa entwickelte sich ganz langsam und die Spannung zwischen ihnen war fabelhaft. Im Roman gibt es keine unnötigen Streitereien oder Missverständnisse, die das schöne und zerbrechliche Band zwischen ihnen zerstören und das mochte ich am meisten. Wir haben ein kleines bisschen Magie und ganz, ganz viel Gefühl, ohne dass intime Szenen vorkommen müssen, und schon haben wir eine tiefgründige Liebesgeschichte, die das Herz verzaubert.
Als letztes muss ich noch den Antagonisten Denar, den Schattenkönig, erwähnen, aus dessen Sicht wir auch die Ehre haben, lesen zu dürfen. Ich persönlich finde es ziemlich spannend, wenn wir Teile der Story oder der Vergangenheit aus der Gegenposition erleben können und durch kleine Plottwists können sich auch jederzeit die Grenzen ändern. Damit bleibt die Story unvorhersehbar und wenn man denkt, dass man jetzt weiß, was als nächstes geschehen wird, kommt es doch ganz anders und das war grandios.
Zur Story werde ich nicht viel sagen, weil ich sonst zu viel vorweg nehmen würde, was man am eigenen Leib erleben muss, doch es war fesselnd und faszinierend, sodass man von der fremden Welt nicht genug bekommt. Cassian stellt Elisa ein, damit sie als Schlüssel für die Gefangennahme des Schattenkönigs dienen kann, und während diese Aufgabe erfüllt wird, lernen sie sich kennen und vertrauen einander. Sie lernt das Consomnio und ihre Rolle kennen und Cassian will es allen möglichst recht machen, ohne sein Herz zu verraten, sodass wir viel Raum für Schwankungen der Story haben. Es kann einiges passieren, aber ich erwarte noch mehr vom zweiten Band, in dem die Geschichte hoffentlich endlich richtig zum Rollen kommen wird.
Insgesamt ist das Buch für alle Fantasy-Fans das Richtige, wenn man eine Erzählung sucht, die sich langsam entfaltet und viel Wert auf die Welt und die Personen legt!