Ich wusste echt überhaupt nicht, auf was ich mich da einlasse: eine Ekelgeschichte? Female rage und revenge? Eine Geschichte über Identität? Wut, Obsession? Horror?? Wie können so viele Themen auf 352 Seiten Platz finden? "Das Beste sind die Augen" macht extrem neugierig und enttäuscht letztendlich kein bisschen. Ji-Won wirkt am Anfang erst unscheinbar, sogar etwas überfordert mit der Situation, in der sie sich plötzlich befindet: die Eltern getrennt, und der neue Freund ihrer Mutter ist unausstehlich. Er ist der Inbegriff des yellow fever, fetischiert Ji-Won und ihre Teenager- Schwester, und ist respektlos ihrer koreanischen Kultur gegenüber. Ein bisschen Wut habe ich aber auch auf die Mutter gehabt, die sich mit verschlossenen Augen sehr schnell (emotional) von so einem Mann abhängig gemacht hat.Monika Kim hat mich nicht nur mit den vielen verschiedenen Themen ans Buch gefesselt, sondern auch mit ihren sehr kurzen Kapiteln. Dabei beschränkte sie sich auf das Wesentliche; Platz für ausschweifende Details oder Nebengeschichten wurde wenig eingeräumt. Und genau davon lebt der Roman. Ji-Won verliert sich zunehmend, verstrickt sich in Obsessionen, lauert, beobachtet, manipuliert - bis sie sich nicht mehr zurückhalten kann. Ihre Gedanken waren ambivalent, wirr, aber trotzdem auf ihre Art verständlich. Ja, ein zentrales Thema sind menschliche Augen, ja, Monika Kim wird hier teilweise sehr genau. Aber vielmehr hat das ein Gesamtbild ergeben, das so morbide und gleichzeitig faszinierend ist, dass ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Wirklich alle Themen sind passgenau aufeinander abgestimmt, das eine greift in das andere, keines steht alleine. Alles fühlte sich stimmig und durchdacht an und hat aus "Das Beste sind die Augen" einen echten Lesegenuss gemacht, der mir noch lange im Gedächtnis bleibt.