Er wusste, dass man sich fehl am Platz fühlen konnte, auch wenn der eigene Körper genau dort war, wo er sein sollte.
"Er wusste, dass man sich fehl am Platz fühlen konnte, auch wenn der eigene Körper genau dort war, wo er sein sollte. Dass es oft gar nichts mit dem Ort zu tun hatte."Als Benjamin, der nach seinem Schulabschluss erstmal im Supermarkt jobben ist, von seiner Chefin Camille auf einen gestrandeten Wal aufmerksam gemacht wird, muss er ihn sehen. Dort begegnet er einem Hund, der ganz alleine, seine Leine hinter sich her schleifend, herumläuft. Benjamin hat zwar ein großes Herz für Tiere, aber zugleich Angst vor jeglichen Keimen und befindet sich in einem Zwiespalt, denn der Hund läuft ihm bis zu seinem Mobilheim hinterher. Bald schon wird Benjamin durch einen ominösen Pizzalieferanten erfahren, dass es sich bei dem Hund um keinen willkürlichen, sondern ausgerechnet den großen Gary handelt, der bei Hunderennen einige Preise abgeräumt hat. Klingt nach einem Wohlfühlbuch?Naja, eher weniger. Mal ist es das unter anderem und dann, im nächsten Augenblick, wieder eine rasante Verfolgungsjagd. Noch dazu ist der Protagonist Benjamin hin und hergerissen, wem er wirklich vertrauen kann und findet sich, als er sich in Sicherheit währt, zwischen Lügen und Intrigen wieder. Dieser Roman schildert auch gut, inwiefern Tiere für den Sport als Ware, die Geld abwirft, ausgebeutet werden und von den meisten - insbesondere den eigenen Besitzer*innen - nicht als fühlende Lebewesen angesehen werden. Benjamin, der Protagonist, sieht es aus ganz anderer Perspektive und weiß, dass es Schicksal sein muss, dass Gary den Weg zu ihm gefunden hat. Schließlich meidet er so gut es geht jegliche Keime und mögliche Erreger und doch lässt er sich nicht nur auf den Hund ein, sondern weiß, dass er ihn beschützen muss und stellt dafür seine eigenen Bedürfnisse hintenan. "Der große Gary" ist ein Roman, der sich so ganz anders entwickelt, als man es erwartet hätte. Statt einem Buch zum Wohlfühlen, erwarten Leser*innen eine Reise ins Ungewisse, mit Höhen und viel mehr Tiefen und doch immer wieder dem alles entscheidenden Zusammenhalt und Mut einiger Figuren.