Claudia, ein heranwachsendes Mädchen, lebt mit ihren Eltern in Cali in Kolumbien. Mit offenen Augen und Verstand beobachtet sie das Leben der Erwachsenen um sich, erkennt ihre Schwächen, Geheimnisse und Fehler, die sie begehen. Nach Außen jedoch bleibt Claudia aber das unvoreingenommene, neugierige und (manchmal) das verspielte Kind, das sie in ihrem Alter zu sein hat. Tief in ihrem Inneren kämpft Claudia aber mit Unsicherheiten, die ihr Äußeres betreffen, mit der Angst ihre Mutter zu verlieren, da diese unter Liebeskummer, Alkohol und Depressionen leidet, und mit der lauernden Furcht davor, dass ihr Papa dem Monster verfallen könnte, das in seinem Körper schlummert und auf eine Gelegenheit wartet, auszubrechen. Tiefe, dunkle Abgründe des Daseins und des Handelns ihrer Umgebung bescheren Claudia nicht nur Nachts Albträume. Dabei ist sie doch noch ein kleines Kind, das sich mit den Problemen Erwachsener und der stets wachenden Angst sie zu verlieren, eigentlich nicht beschäftigen sollte, nicht wahr? Könnte man meinen. Abgrund ist ein ein rasant erzählter und kurzweiliger Roman von Pilar Quintana , der zeigt, wie schwer das Handeln oder Nichthandeln, das Nichtzuhören, das Abwinken und das schlichte Ignorieren von Erwachsenen Kinder belasten kann. Eine Leseempfehlung, die ich mit 4,5 Sternen bewerte.