Der erste Mumin-Band Mumins lange Reise erzählt von einer großen Suche: Mumin und seine Mutter sind unterwegs durch eine unsichere, teils bedrohliche Umgebung, immer mit dem Ziel, den Vater zu finden und ein neues Zuhause zu finden. Die Geschichte erzählt dabei weniger von großen Abenteuern als von Orientierung, vom Weitergehen trotz Ungewissheit und von Begegnungen, die den Weg prägen: Denn auf ihrer Reise treffen die beiden nicht nur das herzallerliebste Schnüferl, sondern auch viele andere Wesen, die ihnen helfen.
Tove Jansson war Malerin, Illustratorin und Schriftstellerin. Ihre Mumin-Bücher entstanden in einer Zeit politischer und persönlicher Umbrüche und tragen diese Erfahrungen in sich. Dieser Band wurde 1945 erstveröffentlicht, und weder Sprache noch Illustrationen wirken dank der zeitlosen Umsetzung antiquiert.
Im Gegenteil: Der Text ist meisterhaft, zeitlos und äußerst humorvoll. Die Illustrationen tragen Janssons unverwechselbare Formsprache und ergänzen den Text hervorragend. Man hat zudem das Gefühl, dass die Mumins mit ihrer unfreiwilligen Suche nach Heimat und Zugehörigkeit sehr gut in unsere Gegenwart passen. Mit unbeirrbarer Hoffnung, einer gut gefüllten Mumin-Mama-Tasche und großem Sinn für Gemeinschaft trotzen sie gefährlichen Schlangen, der großen Flut und überhaupt der scheinbaren Ausweglosigkeit ihres Unterfangens. Und werden am Ende mit einem Zuhause belohnt, das eben diese Flut ins wunderschöne Mumintal getragen hat.
Resilienz zeigt sich hier nicht als Stärke im klassischen Sinn, sondern als Fähigkeit, mit Brüchen zu leben und dennoch offen zu bleiben: für andere, für neue Orte und für unerwartete Wendungen.
Ein Buch, das wirklich jede:r gelesen haben sollte!